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PLAN B




Ben Drew ist eine echte Kunst-Wundertüte. "Who Needs Actions When You Got Words", das Debüt seines Projektes Plan B, erschreckte 2006 mit seiner rauen Rap-Ästhetik nicht nur die Trend-geschulten Londoner Hipster. Im Handumdrehen galt dieser laute, stolze und mit Obszönitäten gefüllte Aufschrei der Wut und des Selbstbewusstseins als ein Gratmesser dafür, wie vital und eigenständig der britische HipHop mittlerweile agiert. Zwei Filmrollen später erscheint uns Ben Drew nun in einer vollkommen neuen Inkarnation: Sein zweites Album "The Defamation of Strickland Banks" lässt die großen Zeiten des Northern Soul wieder aufleben und transferiert diesen vielleicht coolsten aller Musikstile in die Jetztzeit. Ein Album, als ob Marvin Gaye seine frühen Liebesplatten für Motown und sein souveränes Spätwerk "What's Going On" auf einmal aufgenommen hätte – um es anschließend von Londoner Grime-Künstlern remixen zu lassen.

Es ist kein Zufall, dass Ben Drew auf den guten alten Motown- und Stax-Soul der 60er gekommen ist. Denn Soul – konkret: Michael Jackson – war nach einer kurzen He-Man-Phase unmittelbar die zweite große Liebe seines Lebens. Ben war damals sechs Jahre alt, Soul war sein Ding. Doch mit den Jahren wurde er radikaler – das Leben im Londoner Stadtteil Forest Gate machte ihn hart. Ein Teil in ihm blieb dem Soul dennoch treu: "Ich fand heraus, dass ich dieses Zeug ganz natürlich mitsingen konnte", erklärt er. "Und als ich begann, ernsthaft Songs zu schreiben, kam ein Soul-Song nach dem anderen dabei heraus. Reine Liebeslieder. Ich war 14 und bis dahin noch nie verliebt gewesen, aber ich hatte eine gute Idee davon, was Liebe sein könnte."

Sein Einstieg in den Musikzirkus war dennoch ein anderer: Eminem, der weiße Homie aus Detroit, änderte plötzlich die Spielregeln im Rapgame. "Er war brillant", so Ben. "Er beeinflusste nicht nur Rapper, sondern jeden. Er bewies, dass es im HipHop nicht nur um die Ringe, die Kohle oder die Mädels gehen muss." Und so nahm Ben ein ruppiges, selbstbewusstes und hochgradig spannendes Rap-Album typisch britischer Prägung auf: "Who Needs Actions When You Got Words" hatte das Feeling von The Streets, die Härte von Dizzee Rascal und den Soul eines Roots Manuva – und war am Ende doch vor allem eines: Von vorne bis hinten Plan B, in all seiner einzigartigen Unmittelbarkeit.

Mit diesem Album etablierte Ben etwas, das ihn in seiner Kreativität weiter tragen sollte: Das Entwickeln von Charakteren, die seine Geschichten erzählen. So schuf er zahlreiche Alter Egos, die mit ihm zu tun hatten und doch für sich selbst sprachen. "Ich bin ein Regisseur, aber ich dreh meine Filme mit Musik - Filme für die Blinden. Mach einfach deine Augen zu und hör dir die Story an." Doch dabei blieb es nicht: Dieses Spielen mit Figuren und Protagonisten brachte ihn selbst zur Schauspielerei, als er in Noel Clarkes Film "Adulthood" einen bösen Jungen aus der Hood spielte, und kurz darauf eine Rolle als Gegenspieler zu Michael Caine im Thriller "Harry Brown". 

So verwundert es nicht, dass er im Rahmen seiner musikalischen Wiedergeburt mit Strickland Banks nun ein Alter Ego schuf, das für ihn ein komplettes Album und ihn selber zurück zu seinen frühen Soul-Wurzeln trägt. "Strickland ist eine Version von mir", so Ben. "Er hat mein Alter - 26 -, er sieht aus wie ich und er kommt aus dem East End. Aber er ist ein fitter und beweglicher Typ, wogegen Plan B eher düster ist. Er gibt mir die Chance, nicht mehr so ernsthaft zu sein und stattdessen meine Liebe zum Soul auszuleben. Es ging darum, einen Charakter zu schaffen, den ich jederzeit wieder zerstören kann, sodass ich meine Art, Geschichten zu erzählen, weiter durchziehen kann."

Jetzt also: "The Defamation of Strickland Banks", ein überwältigendes, in seiner Soulfulness tief berührendes Amalgam aus Northern Soul, den besten Motown-Momenten, modernen, aber retro-orientierten Produktionen und so manchem toughen Rap – der einzigen Verbindung zu Plan Bs Debüt. Dass er damit die Herzen, Beine und Köpfe einer Geschmacks-Elite trifft, beweisen die nackten Zahlen: Unlängst stieg das Album gleich zwei Mal bis auf Platz eins der UK-Charts, die Single "She Said" hielt sich über fünf Wochen unter den Top 5. Seit April hat er allein in seiner Heimat über 300.000 Einheiten des Albums verkauft, doch auch europaweit wirft der zu erwartende Erfolg seine Schatten voraus: Derzeit notiert "The Defamation of Strickland Banks" auf Platz 8 der ‚European Top 100 Album Charts'. Für seine Tournee im Oktober sind bereits jetzt viele Konzerte ausverkauft, wie beispielsweise seine beiden Abende in der ehrwürdigen Londoner Brixton Academy.

Die Transformation ist komplett. Das Ergebnis spricht für sich selbst. Der neue britische Curtis Mayfield also? "Dies ist ein Film, es geht nur um Unterhaltung", sagt Ben abschließend. "Es erlaubt mir, etwas Spaß zu haben. Versteht mich nicht falsch, ich werde rappen, solange ich kann. Aber Soul zu singen, ist jetzt im Moment genau das richtige Ding für mich. So bin ich." PLAN B - "The Defamation of Strickland Banks" Tour 2010 präsentiert von ProSieben, Musikexpress, MySpace.com, Kulturnews und Tape TV
 
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